Zuvor hatte LWH-Direktor Marcel Speker-Underbrink noch einmal erläutert, wieso sich im Garten der Katholisch-Sozialen Akademie des Bistums Osnabrück ein Weinberg befindet: “Wein ist ein biblisches Leitmotiv - es kommt im Neuen Testament als Begriff häufiger vor als beispielsweise das Wort “Kreuz” - und deswegen ist es natürlich schonmal ein christliches Thema per se." - Darüber hinaus sei Wein in anderen Teilen Deutschlands ein Kulturgut, dessen Bedeutung im Emsland nicht ansatzweise nachvollzogen werden könne. Da komme dann auch der Bildungsauftrag ins Spiel - zusammen mit dem Aspekt, dass der nun auch in nördlicheren Regionen mögliche Weinanbau auch eine direkte Folge des Klimawandels sei. Und hier, so Speker-Underbrink, schließe sich der christliche Kreis zurück zur Bewahrung der Schöpfung: “Um das zielgruppengerecht und plastisch zu thematisieren ist Wein ein guter Anknüpfungspunkt.” Deswegen habe das LWH gemeinsam mit der örtlichen Weinhandlung Willenbrock vor drei Jahren 50 Reben der Rebsorte Sauvignac angepflanzt.
Sauvignac, das erläuterten anschließend Winzer Weber und Sommelieré Vanessa di Castro, ist geschmacklich eine Mischung aus der fruchtigen Sorte Sauvignon Blanc und dem spritzigen Riesling. Gezüchtet und optimiert wurde sie für den Einsatz in nördlicheren - und mithin kälteren und feuchteren - Regionen. Ziel sei es resistent gegen den Hauptfeind Mehltau zu werden. Das sei jedoch nur bedingt gelungen: “Sauvignac ist nicht Mehltau-resistent - wir sprechen eher von Mehltau-tolerant”, so Weber. Die Frage, wann der optimale Zeitpunkt der Lese ist, sei daher immer auch eine Abwägung des Winzers. Trauben noch länger am Rebstock zu belassen, um noch mehr Sonne und Nährstoffe zu tanken müsse gegen das mit dem Herbst steigende Mehltau-Risiko abgewogen werden.
Die eigentliche Lese ging dann recht zügig von der Hand: Die knapp 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an diesem praxisorientierten Weinbau-Seminar konnten den 50 Reben fast eine 1:1-Betreuung zu Teil werden lassen. Die eigentliche Arbeit jedoch, machte Weber, dessen Weingut in Rheinhessen beheimatet ist, finde vor und nach der Lese statt - sei es bei der Pflege der Reben im Vorfeld oder jetzt der Arbeit im Weinkeller. Insgesamt stellte er den Emsländischen Weinfreunden einen überschaubaren Ertrag in Aussicht: “Die Faustformel lautet, dass wir pro Rebe eine Flasche produzieren können.” Im Anschluss an die getane Lese kamen alle, die bei der Weinlese mit angepackt hatten - ganz, wie es auch in den Weinbauregionen üblich ist - zur Winzervesper und einer von di Catsro und Weber moderierten Weinprobe in der LWH-Scheune zusammen.
Speker-Underbrink wies zum Schluss noch darauf hin, dass für diesen Wein noch etwas ganz Entscheidendes fehle: “Wir haben noch keinen Namen für unseren Wein!” - Er kündigte daher einen Wettbewerb an und bat um Zusendung von passenden Vorschlägen, die sich jedoch nicht zwingend an dem Beispiel einer bekannten Mosel-Lage in Kröv orientieren müsse, wie er augenzwinkernd anmerkte. Vorschläge für einen Lagennamen, der sich schließlich auch auf den Weinflaschen wiederfinden soll, werden per Email unter presse@lwh.de entgegen genommen. Dem Gewinner oder der Gewinnerin winkt eine Flasche des ersten Lingener Weinbergs-Wein. Einsendeschluss ist der 15. November 2026.
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