Wasser holen, einkaufen oder einfach das Haus verlassen: Was in Deutschland selbstverständlich ist, kann im ukrainischen Kramatorsk tödlich enden. „Wir haben keinen Strom. Wir haben kein Wasser“, berichtet Anna Elsbernd. Erst kürzlich seien Menschen beim Wasserholen an einer Kirche von russischen Drohnen angegriffen worden. Wenige Tage später sei auch die Kirche zerstört worden.
Seit Beginn des russischen Angriffskrieges 2022 engagiert sich die aus der Grafschaft Bentheim stammende Deutsche in der Ukraine. Heute leitet sie die Hilfsorganisation Universal Aid Ukraine, die Zivilisten aus umkämpften Frontgebieten in Sicherheit bringt. Im Podcast „Friedensreiter“ des Ludwig-Windthorst-Hauses (LWH) und des Instituts für Frieden und Militärethik (IFME) schildert sie eindringlich, wie der zunehmende Drohneneinsatz den Krieg verändert hat. Selbst Evakuierungsfahrten sind inzwischen lebensgefährlich. An kaum einem Tag vergehe die Arbeit ihres Teams ohne unmittelbare Bedrohung durch Drohnen.
Warum Menschen dennoch in ihren Häusern ausharren, erklärt die Helferin mit der Angst, alles zu verlieren: das über Jahrzehnte aufgebaute Zuhause, soziale Bindungen und jede wirtschaftliche Sicherheit. Für viele bedeutet die Flucht nicht nur Rettung, sondern auch den Verlust ihrer bisherigen Existenz. Elsbernds Team versucht deshalb, Vertrauen aufzubauen und die Menschen von einer rechtzeitigen Evakuierung zu überzeugen.
Deutliche Worte findet Elsbernd auch für die politische Debatte über ein Ende des Krieges. Ein Frieden, der die Abtretung ukrainischer Gebiete erzwinge, sei kaum vorstellbar. Schließlich kämpften die ukrainischen Soldaten nicht für abstrakte Grenzen, sondern für ihre Familien, ihre Freiheit und ihre Heimat. Auch für die in Deutschland beklagte „Kriegsmüdigkeit“ zeigt sie wenig Verständnis.
Trotz aller Erfahrungen mit Tod und Zerstörung hält Elsbernd an ihrem humanitären Auftrag fest. Dabei spielt die politische Haltung der Menschen, die sie rettet, keine Rolle: „Das sind alles Menschen und jeder hat das Recht auf ein sicheres Leben.“
Ihr größter Wunsch klingt zunächst ungewöhnlich: „Ich wäre so gerne arbeitslos.“ Denn das würde bedeuten, dass ihre lebensgefährliche Arbeit eines Tages nicht mehr notwendig wäre.
Spenden für die Arbeit von Anna Elsbernd und ihren Mitsrreitern sind möglich an die Hilfsorganisation H.I.C. - humanitas in centro e.V. (IBAN: DE71 7706 9782 0000 7371 60 | BIC: GENODEF1SPK).
Der Podcast Friedensreiter begibt sich auf die Suche nach Wegen für den Frieden. Er stellt sich in das Zeichen der Friedensreiter, die bei den Verhandlungen zur Beendigung des 30jährigen Krieges als Vermittler zwischen den Delegationen in Münster und Osnabrück pendelten. Der Podcast ist ein Gemeinschaftsprojekt von Ludwig Windthorst-Haus (LWH), der Katholisch-sozialen Akademie des Bistums Osnabrück in Lingen, und dem Institut für Frieden und Militärethik (IFME) in Hamburg. Hosts sind der stellvertretende Direktor des IFME, Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld, und LWH-Direktor Marcel Speker-Underbrink. Auf der Gästeliste stehen bislang renommierte Experten und Persönlichkeiten wie der Politikwissenschaftler Carlo Masala, der Historiker Michael Wolffsohn, die White House-Korrespondentin Juliane Schäuble, Bundespräsident a.D. Christian Wulff und der Apostolische Nuntius im Baltikum, Erzbischof Monsignore Georg Gänswein. Der Podcast ist als Video-Podcast auf YouTube sowie auf allen gängigen Audio-Podcast-Portalen verfügbar. Die erste Folge erschien im Oktober 2024. Seither verzeichnet der Podcast mehr als 250.000 Aufrufe. Zum Podcast Friedensreiter: www.linktr.ee/friedensreiter