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Der Preis der Freiheit? - Im Gespräch mit Peter Tauber zur Wehrpflicht

Peter Tauber fordert, die Wehrpflicht als „klaren Schwerpunkt“ in das nächste CDU-Bundestagswahlprogramm aufzunehmen. Für den ehemaligen CDU-Generalsekretär und früheren Parlamentarischen Staatssekretär im Verteidigungsministerium ist die Debatte längst keine theoretische mehr. Deutschland stehe vor einer sicherheitspolitischen Realität, die sich grundlegend von jener der vergangenen Jahrzehnte unterscheide – und die Antworten verlange, die über bloße Ankündigungen hinausgehen. Das machte Tauber in der aktuellen Folge des Podcasts Friedensreiter im Gespräch mit Host und dem Direktor der Katholisch-Sozialen Akademie Ludwig-Windthorst-Haus, Marcel Speker-Underbrink, deutlich.

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Entscheidend sei für ihn die veränderte Bedrohungslage. Wer behaupte, die Sicherheitslage sei heute weniger ernst als im Kalten Krieg, verkenne die Realität eines Krieges mitten in Europa. Russland führe einen konventionellen Krieg von historischer Dimension, gleichzeitig nähmen hybride Bedrohungen, Cyberangriffe und gezielte Desinformation zu. Demokratien stünden damit unter Druck – von außen ebenso wie von innen. In diesem Kontext kritisiert er die deutsche Verteidigungsplanung: Die aktuell diskutierten Zielgrößen für Bundeswehr und Reserve seien politisch gesetzt und nicht militärisch hergeleitet. Die oft genannte Zahl von 200.000 Reservisten bezeichnet er als „politische Zahl“. Es fehle eine nachvollziehbare strategische Ableitung darüber, welche Streitkräfte Deutschland tatsächlich benötige. Das zentrale Versäumnis der Bundesregierung bestehe darin, die sicherheitspolitischen Anforderungen nicht offen und ehrlich zu benennen, was, wie Speker-Underbrink deutlich machte, das Erreichen einer gesellschaftlichen Akzeptanz deutlich erschwere und die Gefahr in sich berge, radikale politische Kräfte weiter zu stärken. 

Tauber nahm den Ball auf und warb für einen erweiterten Sicherheitsbegriff. Wehrhaftigkeit bedeute heute mehr als den Dienst an der Waffe. Eine resiliente Gesellschaft brauche ebenso Menschen im Technischen Hilfswerk, in Hilfsorganisationen, Pflegeeinrichtungen oder der Freiwilligen Feuerwehr. Deshalb müsse sich aus einer Wehrpflicht langfristig ein allgemeiner Gesellschaftsdienst entwickeln, der Männern und Frauen gleichermaßen offensteht. In einer Zeit, in der sich die Grenzen zwischen militärischer und ziviler Bedrohung zunehmend verwischten, sei auch Katastrophenschutz Teil der Landesverteidigung. Auffällig optimistisch zeigt sich Tauber mit Blick auf die Bevölkerung. Anders als viele Politiker glaube er nicht, dass die Bürgerinnen und Bürger unbequeme Entscheidungen grundsätzlich ablehnten. Sein Eindruck sei vielmehr, dass die Menschen verstanden hätten, dass sich die Welt verändert habe. Was fehle, seien klare politische Konzepte und eine verständliche Kommunikation darüber, welche Konsequenzen daraus folgen müssten. Die Bürger seien längst bei der Frage des „Wie“ angekommen, während die Politik häufig noch über das „Ob“ diskutiere.

Für die CDU leitet Tauber daraus eine klare Empfehlung ab. Die Wehrpflicht müsse zu einem profilbildenden Thema werden. Sie könne die Unterscheidbarkeit der Union stärken und gleichzeitig einen Beitrag zu Sicherheit, gesellschaftlichem Zusammenhalt und persönlicher Entwicklung leisten. „Wehr- und Zivildienst sind Lerndienste“, sagt Tauber. Sie stärkten nicht nur den Staat, sondern auch diejenigen, die sie leisten. Hinter dieser Forderung steht letztlich ein Gedanke, der weit über Kasernen und Reservisten hinausweist: Sicherheit beginnt nicht erst an den Grenzen eines Landes. Sie beginnt bei der Bereitschaft einer Gesellschaft, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. Genau darin sieht Peter Tauber die eigentliche Herausforderung der kommenden Jahre.

In dem Gespräch blicken Tauber und Speker-Underbrink aber nicht nur auf die sicherheitspolitische oder gesellschaftliche Dimension, sondern auch auf die individuelle: Die Wehrpflicht sehen sie auch als ein Instrument der Integration und persönlichen Entwicklung. Taubers Biografie dient ihm dabei als Beispiel. Als Wehrpflichtiger sei er Mitte der 1990er Jahre keineswegs freiwillig zur Bundeswehr gegangen. Rückblickend jedoch beschreibt er diese Zeit als prägend. Der Dienst habe ihn gelehrt, Menschen außerhalb der eigenen sozialen Blase kennenzulernen, Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Fähigkeiten realistischer einzuschätzen. Viele ehemalige Wehrpflichtige beschrieben ihre Erfahrungen ähnlich, häufig zusammengefasst in dem Satz: „Es hat mir nicht geschadet.“

Der Podcast Friedensreiter begibt sich auf die Suche nach Wegen für den Frieden. Er stellt sich in das Zeichen der Friedensreiter, die bei den Verhandlungen zur Beendigung des 30jährigen Krieges als Vermittler zwischen den Delegationen in Münster und Osnabrück pendelten. Der Podcast ist ein Gemeinschaftsprojekt von Ludwig Windthorst-Haus (LWH), der Katholisch-sozialen Akademie des Bistums Osnabrück in Lingen, und dem Institut für Theologie und Frieden (ithf) in Hamburg. Hosts sind der stellvertretende Leiter des ithf, Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld, und LWH-Direktor Marcel Speker-Underbrink. Auf der Gästeliste stehen bislang renommierte Experten und Persönlichkeiten wie der Politikwissenschaftler Carlo Masala, der Historiker Michael Wolffsohn, die White House-Korrespondentin Juliane Schäuble, Bundespräsident a.D. Christian Wulff und der Apostolische Nuntius im Baltikum, Erzbischof Monsignore Georg Gänswein. Der Podcast ist als Video-Podcast auf YouTube sowie auf allen gängigen Audio-Podcast-Portalen verfügbar. Die erste Folge erschien im Oktober 2024. Seither verzeichnet der Podcast mehr als 250.000 Aufrufe. Zum Podcast Friedensreiter: www.linktr.ee/friedensreiter

 

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