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„Christsein in schwierigen Zeiten“ – Hermann Tallens drittes Buch über Werner Remmers posthum erschienen

Kurz vor der Fertigstellung seines dritten Buches über den früheren niedersächsischen Kultusminister und ersten Direktor des LWH, Werner Remmers, ist Hermann Tallen im März 2026 in Lingen verstorben. Nun liegt das Werk unter dem Titel „Christsein in schwierigen Zeiten – Werner Remmers und sein Streiten für den politischen Katholizismus“ gedruckt vor. Tallens Tochter Petra Mohr stellte das Buch nun gemeinsam mit Christian Fühner, dem Vorsitzenden der Ludwig-Windthorst-Stiftung, der Öffentlichkeit vor.

 

Die Ludwig-Windthorst-Stiftung ist Herausgeberin des neuen Buches und hat bereits die beiden vorherigen Werke Tallens über Werner Remmers herausgegeben. Darin beschäftigte sich Tallen mit zwei weiteren Themen, die das politische und gesellschaftliche Wirken von Remmers maßgeblich prägten: seinem Einsatz für die Aussöhnung und Verständigung mit Polen sowie seinem Engagement dafür, den Gottesbezug in die Präambel der Niedersächsischen Verfassung aufzunehmen. Mit dem nun erschienenen dritten Band wird diese Beschäftigung mit dem politischen und christlichen Wirken von Werner Remmers fortgesetzt.

Für Hermann Tallen, den früheren Leiter des Gymnasiums Georgianum in Lingen, war Werner Remmers über viele Jahre eine prägende Persönlichkeit. Der gebürtige Papenburger war unter anderem niedersächsischer Kultusminister und gehörte zu den Gründern des Ludwig-Windthorst-Hauses in Lingen-Holthausen. „Das Erbe von Werner Remmers zu erhalten, ist Hermann Tallen sehr wichtig gewesen“, betont Christian Fühner, der als CDU-Landtagsabgeordneter heute auch ein politischer Nachfolger von Remmers ist.

Im Mittelpunkt des neuen Buches steht eine der großen innerkirchlichen Auseinandersetzungen der 1990er-Jahre: der Streit um die katholische Schwangerschaftskonfliktberatung. Die Frage, ob katholische Beratungsstellen im staatlichen Beratungssystem verbleiben und weiterhin Beratungsscheine ausstellen sollten, führte zu intensiven Debatten zwischen katholischen Laienorganisationen und Teilen der Amtskirche. Auch Lingen rückte dabei zeitweise in den Mittelpunkt der bundesweiten Diskussion. Im März 1999 tagte die Deutsche Bischofskonferenz unter ihrem damaligen Vorsitzenden Kardinal Karl Lehmann im Ludwig-Windthorst-Haus. Die Auseinandersetzung um den Verbleib der katholischen Beratungsstellen im staatlichen System spielte bei den Beratungen eine zentrale Rolle.

Tallen zeichnet in seinem Buch Remmers’ Eintreten als einflussreicher Vertreter der katholischen Laienbewegung und beispielshaft an diesem Thema insbesondere das leidenschaftliche Eintreten von Werner Remmers für den Verbleib der katholischen Beratungsstellen nach. Remmers argumentierte aus seiner christlichen Überzeugung heraus, dass die Beratung gerade dazu dienen müsse, ungeborenes Leben zu schützen und Frauen in Konfliktsituationen konkrete Hilfe anzubieten. Seine Position vertrat er zugleich mit deutlicher Kritik an Entscheidungen der Amtskirche. Diese Haltung verband Werner Remmers und Hermann Tallen nach Einschätzung von Petra Mohr in besonderer Weise. „Hier waren er und Remmers Brüder im Geiste. Für meinen Vater war Remmers ein großes Vorbild“, sagt sie. Beide hätten christliche Verantwortung mit der Bereitschaft verbunden, sich kritisch mit kirchlichen Positionen auseinanderzusetzen.

Für Hermann Tallen gewann die Arbeit an dem Buch auch persönlich eine besondere Bedeutung. Nach dem Tod seiner Frau Elvira im April 2025 habe ihm die intensive Beschäftigung mit Remmers Halt und eine neue Aufgabe gegeben, berichtet seine Tochter. Die Fertigstellung des Manuskripts begleitete ihn bis kurz vor seinem eigenen Tod. Am 20. Februar 2026 gab er die letzten Seiten zum Korrekturlesen aus der Hand - drei Wochen später starb Hermann Tallen. Mit dem dritten Band schließt sich damit zugleich ein persönliches Vermächtnis. Über mehrere Bücher hinweg hat Hermann Tallen zentrale Stationen im politischen und gesellschaftlichen Wirken von Werner Remmers aufgearbeitet: die deutsch-polnische Aussöhnung, die Debatte um den Gottesbezug in der Niedersächsischen Verfassung und nun den Streit um die katholische Schwangerschaftskonfliktberatung. Gemeinsam ist allen drei Themen die Frage, wie christliche Überzeugungen in einer pluralistischen Gesellschaft politisch und gesellschaftlich wirksam werden können.

Das Buch „Christsein in schwierigen Zeiten – Werner Remmers und sein Streiten für den politischen Katholizismus“ ist zum Preis von 10,- Euro im Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen-Holthausen erhältlich.

 

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