Podcasts im Unterricht – wo der Kreativität kaum Grenzen gesetzt sind…

Digitale Medien gefährden nicht nur – Sie bieten auch Chancen

Ich höre gern, regelmäßig und viel Podcasts. Innerhalb kürzester Zeit bin ich vom Zero-User zum Heavy User geworden. Das bedeutet, ich höre mindestens einmal am Tag in einen Podcast rein. Und damit bin ich nicht allein. Jede*r dritte Deutsche hört Podcasts*. Tendenz stark steigend. Während der Corona-Pandemie hat sich der Anteil der Podcast-Nutzer im Verhältnis zu anderen Audioquellen (Radio, Streaming, etc.) verdoppelt (von 3 auf 6 Prozent**).

Besonders gut kommt das Format in der jüngeren Altersgruppe der 14-29-Jährigen an. Sie hören doppelt so viel Podcast wie der Durchschnitt**. Es kommt ihren Konsumgewohnheiten entgegen: Sie können es hören, wann sie wollen, wo sie wollen, und wie sie wollen. Denn: Es ist ein sehr vielseitiges und kreatives Format. Vom Nachrichten-Podcast über True Crime, Gaming-Tipps, aufwendigen Dokumentationen oder einfach nur einem locker-lustigem „Laber-Podcast“ – jeder findet hier seine Nische.

Für die Bildungsarbeit bietet diese Erkenntnis besondere Chancen, gleich auf zwei Ebenen:

1. Blended-Learning: Podcasts als Informationsquelle nutzen

Ich liebe Bücher. Aber mal ehrlich: Wer hat immer Zeit und Muße, sich neues Wissen allein durch Lesen anzueignen? Vor allem beim Lernen für Schule sowie für Fort- und Weiterbildungen ist man dankbar für etwas Abwechslung. Zu nahezu jedem Thema findet man bei den gängigen Audio-Streamingdiensten (Spotify, ARD Audiothek, Audible, …) gut recherchierte Beiträge. Kopfhörer auf und los geht’s. So kann ich mich nebenbei in ein neues Thema reinhören oder aber auch im Unterricht bereits behandelte Aspekte vertiefen. Vor allem auditive Lerntypen kommt diese Form der Wissensaneignung entgegen. Speziell für Kinder gibt es einige tolle Podcasts, über die sie ganz spielerisch und unterhaltsam neues Wissen erlangen können (z.B. CheckPod mit Checker Tobi, Die Maus zum Hören, Was ist Was, Geolino,…).

Diese Niedrigschwelligkeit und große Verfügbarkeit von Podcast macht sie meines Erachtens zum idealen Blended-Learning-Instrument. Blended Learning bezeichnet eine Kombination aus E-Learning (z.B. Zuhause) und klassischen Lernen im Präsenzunterricht. So kann ich zuhause Unterrichtsinhalte aus der Schule am Nachmittag über digitale Endgeräte und Kanäle (z.B. Podcasts) vertiefen. Oder umgekehrt: Ich eigne mir zuhause neues Wissen zu einem Thema an, auf das dann der Unterricht in der Schule aufbaut. Ein solches Unterrichtsmodell nennt man „Flipped Classroom“ – noch so ein Buzzword im Bildungsbereich.

Sie sehen, Podcast-Nutzung kann viele Erfordernisse an moderne Unterrichtsgestaltung erfüllen. Noch mehr Potential bietet meines Erachtens jedoch die eigene Podcast-Produktion.

2. Creative-Learning: Podcasts selbst erstellen

Podcasts selbst zu erstellen ist unglaublich einfach. Jede*r hat dazu das passende Werkzeug in seiner Hosentasche – das Smartphone. Auch Schulen besitzen oftmals die nötige Technik schon vor Ort. Schließlich gehören Tablets an den meisten Einrichtungen zur Standardausstattung. Warum die Tabletkoffer an der Schule nicht nutzen, um neue Formen der Gruppenarbeit auszuprobieren? Podcast-Produktion statt Referat! Umfrage in der Stadt statt Erörterung schreiben! Interviews mit Expert*innen führen statt trockener Lektüre! Die Schüler*innen profitieren neben Spaß und Abwechslung gleich in mehrerer Hinsicht von solch kreativem Unterricht.

Sie erlangen Medienkompetenz. Sie lernen, wie sie die vorhandene Technik sinnvoll verwenden können. Zudem verstehen sie, mit welchen digitalen Mitteln sie den öffentlichen Diskurs mitgestalten und beeinflussen könne. Die gemeinsame Arbeit an einem Podcast-Projekt schult darüber hinaus die Soft-Skills der Schüler*innen. Podcast-Produktion ist Teamarbeit. Das Thema muss gemeinsam festgesetzt und Aufgaben verteilt werden. Dabei müssen die Zeitplanung und -einteilung berücksichtigt werden. In einem guten Podcast sollten die Fakten gut recherchiert sein. Für Umfragen muss man mit fremden Menschen ins Gespräch kommen. Und letztlich sollten die Informationen und Gespräch gut und verständlich präsentiert werden.

Den größten Effekt sehe ich bei meinen Podcast-Workshops mit Schüler*innen jedoch in der Persönlichkeitsentwicklung. Gleich mehrfach müssen sie ihre Komfortzone verlassen. Zum Beispiel wenn sie wildfremden Menschen in der Fußgängerzone eine Frage stellen – und oftmals sogar eine gute Antwort bekommen! Schüler*innen mögen es, wenn man ihnen Verantwortung gibt und die Freiheit, selbst Dinge zu gestalten. So können Sie nicht nur ihre Neigungen und Interessen im Unterricht ausleben. Sie erlangen auch größere Selbstständigkeit und entdecken ihnen bisher unbekannte Talente. Das stärkt ihr Selbstvertrauen und fördert ihr Selbstwirksamkeit.

Kreatives Lernen hat nichts mit Auswendiglernen zu tun. Es bedeutet, sich Themen und Inhalte durch kreative bzw. kreierende Techniken anzueignen. Geben Sie den Schüler*innen und Kursteilnehmern hierfür den Raum. Die Ergebnisse werden Sie beeindrucken!

 

Quellen:

* Studie Onmi Quest 2021 https://omniquest.shop/studie-marktforschung/fastinsights-podcasts

**ARD/ZDF-Studie Massenkommunikation 2022 (https://www.ard-zdf-massenkommunikation.de/files/Download-Archiv/MK_Trends_2022/MK_Trends_2022_Publikationscharts.pdf )

 

 

Über den Autor:

Nils Thieben verfügt über mehrjährige Berufserfahrung als Journalist und Ausbilder von Nachwuchsjournalisten. Im LWH ist er als Studienleiter für den Bereich politische Jugendbildung aktiv. Mehr Informationen zu Herrn Thieben finden Sie hier.