Der Vortrag ist ein Geschenk des Kirchenboten anlässlich seines 100. Geburtstags an das Emsland. Ulrich Waschki, Chefredakteur des “KiBo”, moderierte durch den Abend. Doch bevor es Fragen zu stellen und zu moderieren galt, stellte Ring-Eifel seine Eindrücke aus dem direkten Erleben des neuen Papstes vor. Und stellte - natürlich - zunächst einmal den Vergleich zu seinem Vorgänger Franziskus an: Viele Themen und Positionen bleiben demnach erhalten: die „Kirche der Armen“, Befreiungstheologie, Friedenspolitik oder der Schutz der Schöpfung. Besonders beim Einsatz für Frieden trete Papst Leo sogar klarer und konsequenter auf als sein Vorgänger.
Auffällig sei vor allem sein Stil. Leo zeige sich traditioneller als Franziskus – mit feierlichen Gewändern und stärkerer Betonung kirchlicher Symbolik. Gleichzeitig verkörpere er aber einen modernen Papst: technikaffin, medienerfahren und kommunikativ präzise. Anders als Franziskus gebe Leo kaum Interviews. Stattdessen nutze er spontane Pressegespräche nach amerikanischem Vorbild, sogenannte „Doorsteps“. Dabei beantworte er Fragen von Journalisten direkt und ohne große Umschweife. Laut Ring-Eifel erklärt diese klare Kommunikation auch die Spannungen mit US-Präsident Donald Trump. Aussagen des Papstes zu Krieg, Migration oder gesellschaftlichen Fragen seien in den USA häufig als Kritik an Trump verstanden worden.
Im Inneren der Kirche setze Leo auf Transparenz. Abstimmungen vatikanischer Kommissionen würden veröffentlicht, Diskussionen offener geführt als früher. Auch gegenüber der vatikanischen Kurie schlage er einen versöhnlicheren Ton an als Franziskus, der seine Verwaltung durchaus auch scharf kritisiert hatte. Im Streit zwischen Traditionalisten und Reformern versuche Leo einen Mittelweg. Anhänger der alten lateinischen Messe schließe er nicht aus, ziehe aber klare Grenzen. Auch bei Reformfragen – etwa Segnungen homosexueller Paare – formuliere er deutlicher, was möglich sei und was nicht. Für Ring-Eifel zeigt sich darin ein Papst, der Tradition und Moderne verbinden will: klarer, politischer und strategischer als sein Vorgänger – aber zugleich bemüht, die Einheit der Kirche zu bewahren. WAs gleichzeitig auch bedeute, dass vor dem Brückenbauen das "Gräben-nicht-aufreißen-lassen" stehe.
In der anschließenden Diskussion zeigten sich die rund 50 Besucher sehr interessiert - insbesondere auch mit der Frage nach dem römischen Blick auf die deutschen Reformbestrebungen. Hier gab Ring-Eifel mitunter auch Wasser in den Wein. Als Papst müsse Leo die Belange der Weltkirche im Blick behalten. Und da spiele die Musik eher in Afrika und Latein-Amerika und eben nicht in Deutschland.
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