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Tür an Tür: Wie eine Erasmus+ Lernaktivität in Nordgriechenland für Interkulturalität sensibilisiert

Fünf intensive Tage in Nordgriechenland haben eine internationale Gruppe von Lehrkräften und Schulsozialarbeiter*innen verschiedener Schulformen zu einem Ort gebracht, an dem Interkulturalität nicht Theorie bleibt, sondern gelebt wird. Im September trafen sich diese Pädagoginnen mit einem klaren Ziel: sich selbst für Interkulturalität zu sensibilisieren und gleichzeitig praktische Methoden zu erproben, die sie in ihre eigenen Schulen tragen können – um dort auch ihre Schüler*innen für diese Kompetenz zu öffnen und Heterogenität als Lernchance zu nutzen.

Die Lernaktivität verstand Interkulturalität ganzheitlich: nicht als etwas nur für ausländische Kulturen, sondern als alltägliche Vielfalt in Familien, Religionen und Lebensweisen. Diese Vielfalt begegnete den Teilnehmenden durch ihre internationale Gruppe und die direkte Begegnung vor Ort. Das Programm war sorgfältig strukturiert: Die Gruppe durchlief ein vierstufiges Lernkonzept mit Sensibilisierung durch Erfahrung, methodischer Kompetenzentwicklung, kultureller Immersion und echtem Austausch. Mit verschiedenen Methoden zur Förderung von Interkultureller Kompetenz, dem Kulturbeobachtungsbogen und dem Lerntagebuch erprobten die Teilnehmenden praktische Methoden für ihre Schulpraxis. Diese Lernaktivität war Teil von Erasmus+, dem europäischen Förderprogramm für Bildung und Kultur. Solche intensiven Fortbildungen ermöglichen es Lehrkräften, sich mit internationalen Kolleginnen und Kollegen auszutauschen und ihre Schulentwicklung nachhaltig voranzutreiben.

Schulhospitationen und Moscheebesuch mit Herz

Die Lernaktivität kombinierte Schulhospitationen mit der Erkundung Komotinis – einem Ort, an dem Interkulturalität seit über 500 Jahren gelebt wird: Orthodoxe Christen und Muslime leben hier Tür an Tür, und beide Kulturen prägen das Stadtbild. Bei den Hospitationen in lokalen Schulen tauschten sich die Teilnehmenden mit griechischen Lehrkräften über unterschiedliche Unterrichtskulturen und Schulentwicklung aus. Parallel erkundete die Gruppe die Stadt, ihre Geschichte und kulturelle Vielfalt. Ein weiterer Höhepunkt der Lernaktivität war der Besuch der Moschee Komotinis – eine Begegnung, die prägte, was Interkulturalität wirklich bedeutet. Denn dieser Besuch war keine oberflächliche Besichtigung, sondern eine tiefgreifende Erfahrung gelebter Vielfalt. Der Imam und der Vorstand der Gemeinde luden die Gruppe ein, am Gebet beizuwohnen – ein Akt der Offenheit und des gegenseitigen Vertrauens, der über Worte hinausging.

In dieser Stille, in dieser gemeinsamen Erfahrung, sprach der Imam das aus, was in vielen europäischen Diskursen fehlt:

„Der Islam hat nichts mit Angst zu tun – der Islam ist Liebe. Das ist das Fundament unseres Glaubens, und das möchten wir mit euch teilen."

Diese Worte zeigten, was echte Interkulturalität bedeutet: nicht übereinander sprechen, sondern miteinander sein. Die Teilnehmenden erlebten eine Religionsgemeinschaft, die sich gastfreundlich und offen präsentierte – genau diese Haltung ist das Fundament für interkulturelle Schulentwicklung.

Methoden für die Schulpraxis

Mit der Methode des „Kulturrucksacks" visualisierten die Teilnehmenden zum Abschluss, welche Erkenntnisse und Methoden sie mitnehmen. Das zentrale Ziel war klar: Lehrkräfte sollten selbst für Interkulturalität sensibilisiert werden und gleichzeitig Methoden erhalten, um diese Sensibilität an ihre Schülerinnen und Schüler weiterzugeben – um Heterogenität als Lernchance zu nutzen. „Interkulturalität entsteht nicht durch Wissenstransfer, sondern durch mutige Begegnung", reflektiert Judith Hilmes, Bildungsmanagerin des Ludwig-Windthorst-Hauses und Koordinatorin der Lernaktivität. „Die internationale Zusammensetzung unserer Gruppe und die Gastfreundschaft unserer Partner vor Ort haben gelebt, wofür wir eintreten: dass echte Verständigung Herzenswärme und gegenseitigen Respekt braucht. Die Pädagoginnen werden diese Erkenntnis jetzt in ihre Schulen tragen – nicht als theoretisches Wissen, sondern als gelebte Erfahrung, die sie an ihre Schüler*innen weitergeben können."

Das Ludwig-Windthorst-Haus als Kompetenzzentrum für Lehrkräftefortbildung und Konsortialführer des INNOVATION4YOU-Konsortiums schafft mit solchen Lernaktivitäten nachhaltige Räume für europäisches Lernen. Sie zeigen: Schulentwicklung geschieht dort, wo Menschen sich trauen, aufeinander zuzugehen – und wo diese Erkenntnis konkret in Methoden und Handlungen übersetzt wird.

 

 

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