Diesen Anspruch griff US-Außenminister Marco Rubio einen Tag später allerdings nicht auf. Stattdessen forderte er die europäischen Partner in zwar freundlich formulierter, aber unmissverständlicher Tonlage auf, sich dem politischen Kurs der Vereinigten Staaten anzuschließen. „Damit vermittelte er ein paternalistisches Politik-Verständnis: Nicht das gemeinsame Verhandeln auf Augenhöhe stand im Vordergrund, sondern die Erwartung, dass Europa dem von den USA vorgegebenen Kurs folgt“, macht Podcast-Co-Host Dr. Jochen Reidegeld deutlich.
Das Partnerschaftsangebot, waren sich die beiden Podcaster einig, war ein vergiftetes: „Vance und Rubio haben in ihren Formulierungen „Böser Bulle, guter Bulle gespielt“ – in der kompromisslosen MAGA-Sache passt aber kein Blatt zwischen sie“, so Speker-Underbrink. Doch auch wenn Mitgestaltung auf gleicher Ebene für die USA keine erkennbare Rolle spielt, enthielt die Rede doch auch sachliche Anknüpfungspunkte – etwa bei resilienteren Lieferketten, Reindustrialisierung und strategischer Unabhängigkeit von autoritären Staaten. „Hier muss man ernsthaft überlegen, wie man das am besten aufgreifen kann, denn hier gibt es in der Tat gemeinsame Interessen“, so Reidegeld.
Mit Blick auf die Merz-Rede ordnen Reidegeld und Speker-Underbrink diese als strategischen Wendepunkt ein. Entscheidend sei nun allerdings, ob der rhetorischen Selbstbehauptung konkrete Schritte folgen – etwa beim Ausbau europäischer Verteidigungsfähigkeit, bei industriepolitischer Resilienz und bei neuen Handelsallianzen.
Die Münchner Sicherheitskonferenz hat damit zwei Linien sichtbar gemacht: Washington formuliert einen stärker souveränitätsorientierten, interessengeleiteten Kurs. Berlin antwortet mit dem Anspruch auf europäische Selbstbehauptung. Ob aus dieser neuen Tonlage eine strukturelle Neujustierung des transatlantischen Verhältnisses entsteht, hängt von der politischen Umsetzung in den kommenden Monaten ab. Und hier werde entscheidend sein, ob der rhetorischen Selbstbehauptung des Bundeskanzlers konkrete Schritte folgen werden – etwa beim Ausbau europäischer Verteidigungsfähigkeit, bei industriepolitischer Resilienz und bei weiteren neuen Handelsallianzen.
Der Podcast Friedensreiter begibt sich auf die Suche nach Wegen für den Frieden. Er stellt sich in das Zeichen der Friedensreiter, die bei den Verhandlungen zur Beendigung des 30jährigen Krieges als Vermittler zwischen den Delegationen in Münster und Osnabrück pendelten. Der Podcast ist ein Gemeinschaftsprojekt von Ludwig Windthorst-Haus (LWH), der Katholisch-sozialen Akademie des Bistums Osnabrück in Lingen, und dem Institut für Theologie und Frieden (ithf) in Hamburg. Hosts sind der stellvertretende Leiter des ithf, Pfarrer Dr. Jochen Reidegeld, und LWH-Direktor Marcel Speker. Auf der Gästeliste stehen bislang renommierte Experten und Persönlichkeiten wie der Politikwissenschaftler Carlo Masala, der Historiker Michael Wolffsohn, die White House-Korrespondentin Juliane Schäuble, Bundespräsident a.D. Christian Wulff und der Apostolische Nuntius im Baltikum, Erzbischof Monsignore Georg Gänswein. Im Format „entre nous“ besprechen Speker und Reidegeld aktuelle Themen zu zweit. Der Podcast ist als Video-Podcast auf YouTube sowie auf allen gängigen Audio-Podcast-Portalen verfügbar. Die erste Folge erschien im Oktober 2024. Seither verzeichnet der Podcast rund 200.000 Aufrufe.
Zum Podcast Friedensreiter: www.linktr.ee/friedensreiter
Zur aktuellen Folge auf YouTube: https://youtu.be/eR0KXlXokLU
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