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Ein ungleiches Duell: Wie KI-Algorithmen Kinder ans Handy fesseln

„Mein Kind ist zu lange am Handy“ – diesen Satz würden wohl viele Erziehungsberechtigte sofort unterschreiben. Rund 20 Eltern und Großeltern waren am 26. Januar ins Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) gekommen, um zu verstehen, warum sich junge Menschen – und oft auch ältere – sich nur schwer von ihren Smartphones lösen können. Referent Michael Brendel nahm die Gäste mit auf eine Reise in den Maschinenraum von TikTok, Instagram und Co.

Der Journalist und Autor machte zu Beginn schnell deutlich, dass es sich bei dem elterlichen Kampf um eine angemessene Bildschirmzeit ihrer Kinder um ein ungleiches Duell handelt. Auf der einen Seite steht das noch formbare, heranwachsende Gehirn der Nutzer*innen, auf der anderen Seite arbeiten von Top-Psycholog*innen entwickelte, hochspezialisierte Algorithmen daran, die Nutzungszeit in den Apps zu maximieren. Denn die Zeit der Kinder ist die Währung, mit der die Tech-Konzerne ihr Geld verdienen.

Der Referent erläuterte anschaulich, wie künstliche Intelligenz (KI) dafür sorgt, dass Inhalte perfekt auf die Interessen der Nutzenden zugeschnitten sind. Das Ziel: Ein permanenter Dopaminrausch, der das Weglegen des Smartphones fast unmöglich macht - und damit der Kontakt mit hochgradig spezialisierten Werbe-Inhalten. Doch in den Sozialen Medien geht es nicht nur um Zeit und Konsum. Brendel warnte vor der „Wohlfühlfalle“ der Filterblasen, die Nutzer*innen immer wieder mit ihrer eigenen Meinung konfrontieren, sowie vor dem „schönen Schein“ in Tiktok und Instagram. Beautyfilter und Influencer*innen suggerieren häufig unerreichbare Schönheitsideale, was bei Jugendlichen einen enormen Konformitätsdruck erzeugt.

Die gute Nachricht des Abends lautete: „Wir sind nicht machtlos!“ Brendel appellierte an die Anwesenden, den Kindern keine Schuld an den Handymarathons zu geben. Die Fähigkeit zur Selbstregulierung sei im heranwachsenden Gehirn noch nicht voll ausgereift. Stattdessen empfahl er eine Mischung aus technischen Schutzmaßnahmen – wie dem Deaktivieren von Push-Nachrichten und der konsequenten Nutzung von Inhaltsfiltern – und pädagogischer Begleitung.

Wichtig sei es, Interesse an der digitalen Lebenswelt der jungen Menschen zu zeigen. So könne Augenhöhe hergestellt werden, auf deren Basis offene Gespräche über den Reiz und die Gefahren der Apps möglich seien.

Die Veranstaltungsreihe "KIds - Kinder sicher im KI-Zeitalter", die sich bereits Deepfakes und KI-Lernmethoden gewidmet hat, schließt am 12. Mai mit dem Akademieabend "KI - der bessere Freund?". Infos und Anmeldung auf lwh.de oder unter Tel. 0591 6102-203.

 

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