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"Die deutsche Gesellschaft braucht mehr Geschwisterlichkeit"

"Wir brauchen eine positive Erzählung, wohin sich unsere Gesellschaft entwickeln soll." - Dafür sei eine neue Debatte über Solidarität und gesellschaftlichen Zusammenhalt nötig – jenseits der schnellen Empörung über zugespitzte Aussagen von Politikern. Das schreibt LWH-Direktor Marcel Speker-Underbrink in einem Beitrag auf der Online-Plattform LinkedIn.

Ausgangspunkt seiner Analyse ist die Diskussion um Bundeskanzler Friedrich Merz und dessen Äußerungen zur Arbeitsbereitschaft in Deutschland. Daraus sei eine Dynamik entstanden, die den eigentlichen Kern der Debatte überdecke, denn das eigentliche Problem liegt nach seiner Ansicht tiefer: Deutschland stehe vor erheblichen finanziellen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die nicht mit kleineren Sparmaßnahmen gelöst werden könnten. Statt immer neue Kürzungsdebatten zu führen, brauche das Land eine gemeinsame Vorstellung davon, wie Zusammenhalt künftig organisiert werden soll. Politik dürfe sich nicht darauf beschränken zu erklären, was wegfalle, sondern müsse ein positives Zukunftsbild entwickeln.

Speker-Underbrink fordert deshalb eine neue Verständigung darüber, welche Leistungen zur staatlichen Grundversorgung gehören. Dazu zählt er Sicherheit, Gesundheit, Bildung, Infrastruktur und soziale Absicherung. Darüber hinaus müsse aber auch die Gesellschaft selbst stärker Verantwortung übernehmen – durch Ehrenamt, genossenschaftliche Modelle, Kooperationen mit Kirchen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Im Zentrum seines Textes steht die Idee einer „geschwisterlichen Gesellschaft“: Der Staat garantiere das Fundament, vieles andere werde gemeinschaftlich getragen. Als historische Vorbilder nennt er die Trümmerfrauen der Nachkriegszeit, den Genossenschaftsgedanken von Friedrich Wilhelm Raiffeisen sowie das alltägliche Ehrenamt. Auch neue Formen gesellschaftlicher Beteiligung wie ein Pflicht- oder Gesellschaftsdienst seien denkbar.

Zugleich kritisiert Speker-Underbrink die Rolle der Medien. Diese würden politische Zuspitzungen häufig verstärken, statt Räume für einen geordneten gesellschaftlichen Diskurs zu schaffen. Deutschland brauche jedoch weniger Empörung und mehr Verständigung darüber, wie Solidarität in Zeiten knapper werdender Ressourcen neu organisiert werden könne.

Hier geht es zum Artikel auf LinkedIn.

Bildnachweis: Luisella Planeta LOVE PEACE auf pixabay

 

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