ICH (UN)VERBESSERLICH

Halbjahresthema II/2018

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Wie bekomme ich die beste, effektivste, leistungsfähigste Version meiner selbst hin? Ich 2.0? Nein, Ich 4.0! Joggen mit Fitness-Armband und Meditieren mit App vor dem Frühstück mit Green Smoothie.  Hauptsache gesund. Mittagspause mit Superfood, Low Carb. Abends noch eine Stunde ins Fitnessstudio. Alles in die App eintragen, sonst weiß ich nicht, wie mein Tag war, ob ich geliefert habe, ob ich Leistung gebracht habe – so ungefähr konnte man jüngst im Zeit-Magazin lesen, wie schön das mit der Selbstoptimierung ist. 

Keine Frage: Wer möchte sich nicht verbessern? Und es ist ja auch nichts Schlimmes dabei, wenn jemand an sich arbeitet – an seinen Marotten, an seinen Lastern, an seinen Fehlern. Wer sich verbessern möchte, muss freilich die eigenen Grenzen im Blick haben – und akzeptieren. Wir sind aber immer schon dabei, diese Grenzen zu überschreiten, unsere physischen, psychischen, intellektuellen Möglichkeiten zu erweitern – mit Hilfe technischer Verfahren.  

Mit dem Leitwort ICH (UN)VERBESSERLICH spüren wir in diesem Halbjahr unserem angeborenen Hang zum Perfektionismus nach und loten aus, wo wir unsere Grenzen überschreiten. Wir wollen wissen, was es bedeutet, wenn Maschinen anfangen zu denken, wenn Designerbabies mit Genscheren „produziert“ werden, wenn Leistung zur Frage technischer Machbarkeit wird, wenn Lernerfolg von Hirndoping abhängt. 

Titelbild Halbjahresprogramm II/2018

Im Hintergrund steht auch die alte Erzählung vom Zauberlehrling: „Die ich rief, die Geister / werd ich nun nicht los.“ –Der Zauberlehrling ist alleine und probiert einen Zauberspruch seines Meisters aus. Er verwandelt einen Besen in einen Knecht, der Wasser schleppen muss. Anfänglich ist der Zauberlehrling stolz auf sein Können, doch bald merkt er, dass er der Situation nicht mehr gewachsen ist. Ihm fehlt das entscheidende Wort, um dem verzauberten Besen Einhalt zu gebieten. Stattdessen setzt der das ganze Haus unter Wasser. Und als der Lehrling aus lauter Verzweiflung den Besen entzwei schlägt, hat er auf einmal zwei Wasserträger. Erst der Meister kann das Spektakel wieder beenden.

Er kennt das Wort, das die ungebändigten Kräfte wieder in ihre Schranken weist. Diese Ballade von Johann Wolfgang Goethe schildert eine Grundbefindlichkeit menschlichen Forschens und Erfindens: Wir können nie alle Folgen unseres Handelns überblicken. Das gilt vor allem dann, wenn uns noch der Durchblick fehlt.

Wenn wir von künstlicher Intelligenz reden, mögen einem ähnlich beunruhigende Gedanken durch den Kopf gehen. Alle reden darüber, jeder stellt sich etwas anderes darunter

 vor, alle haben das Gefühl, dass der Mensch da irgendwie demnächst von Maschinen gesteuert werden könnte, nicht mehr umgekehrt: autonomes Fahren, Pflegeroboter, Industrieproduktion ohne Menschen, intelligente Waffen?

Die Frage ist dabei, wer am Ende entscheidet – noch ein Mensch oder schon die Maschine? In Goethes Zauberlehrling bleibt Hoffnung: Es gibt mit dem Meister eine Person, die die Sache wieder in den Griff bekommt. Und auch bei unseren technischen Entwicklungen mit ihrem gewaltigen Potential kommt es auf die Entscheider an, auf die Einstellung, mit der wir sie nutzen. 

Mit ICH (UN)VERBESSERLICH möchten wir in diesem Halbjahr keinen Fortschrittspessimismus verbreiten. Wir fragen und diskutieren, welche Auswirkungen es hat, dass Menschen sich selbst immer wieder ein noch optimaleres (ich bin mir nicht sicher, ob hier eine Steigerungsform überhaupt möglich ist) Design verpassen möchten und gleichzeitig ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen immer weiter robotisieren. Was macht das mit uns Menschen? Was ist, wenn Diktatoren oder Unwissende mit einem Male über all die Technologien verfügen? Die künstliche Intelligenz wird sicherlich viele Arbeitsvorgänge in der Industrie vereinfachen und wesentlich präziser gestalten. Kommen wir dann aber letztlich dahin, dass der Mensch nur noch eine Marionette unkalkulierbarer Algorithmen wird? Schafft sich der Mensch in seinem absoluten Optimierungsbestreben ab?

Mit Dürrenmatt gilt „Alles Denkbare wird einmal gedacht. Jetzt oder in Zukunft.“ (Die Physiker). Das heißt, unsere Aufgabe ist es, solche Entwicklungen offen anzugehen. Denn die Auswirkungen gehen alle an. Und: „Was alle angeht, können nur alle lösen“ (Dürrenmatt, 21 Punkte zu den Physikern). Sie sind herzlich eingeladen, mit uns gemeinsam nach Lösungswegen zu suchen!

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Mi, 17.10.2018

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