Verdunstung oder Veränderung des Glaubens?

Akademieabend beleuchtete Säkularisierung in den Niederlanden und Deutschland

Von der Säkularisierung in den Niederlanden und Deutschland handelte der Akademieabend „Glaubensverdunstung  in säkularisierter Gesellschaft“ am 19. September 2018 im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) in Lingen. Der stellvertretende LWH-Direktor René Kollai hatte den Pastoraltheologen Dr. Stefan Gärtner aus Tilburg (Niederlande) und den ehemaligen hessischen Kulturstaatssekretär Heinz-Wilhelm Brockmann eingeladen. 

Dr. Stefan GärtnerDr. Stefan Gärtner leitete den Abend mit einem Einblick in die niederländische Gesellschaft sowie Kirchengeschichte ein. Dieses Thema hat Gärtner auch in seinem Buch „Der Fall des niederländischen Katholizismus“ behandelt.  „Bis 2026 werden in den Niederlanden jeden Tag vier Kirchen geschlossen.“ Er verwies auf eine Studie, nach der die Mehrheit der Bevölkerung aber gegen das Abreißen von Kirchen sei. Das Stadtbild solle erhalten bleiben. So würde ein Kirchengebäude heute beispielsweise als Bibliothek dienen.

Während sich die Volkskirche in den Niederlanden in wenigen Jahrzehnten völlig aufgelöst hat,  stellt sich die Frage, ob und in welchem Maße es in Deutschland noch Volkskirche gebe. „Im Jahr 1960 gab es in den Niederlanden noch 161 landesweite kirchliche Organisationen – 1980 sind bereits 135 von ihnen verschwunden“, so der Referent. Gärtner stellte die These auf, dass die Volkskirche in den Niederlanden zwar passé sei, dennoch aber eine sehr präsente Spiritualität und Religiosität vorhanden sei. „In den Niederlanden verdunstet der Glaube, aber es muss kein Ende sein, sondern es findet eine Veränderung statt“, beendete Gärtner seinen Vortrag. Als Beispiel einer säkularisierten „Liturgie“ berichtete er „Am Gründonnerstag finden in den Niederlanden jedes Jahr multimediale Passionsspiele statt, die im TV übertragen werden. Dieser Sender hat an dem Tag die höchsten Einschaltquoten“, so Gärtner.

Über die Säkularisierung in den Niederlanden und Deutschland sprachen Dr. Stefan Gärtner, René Kollai und Heinz-Wilhelm Brockmann.Im anschließenden Gespräch diskutierten Dr. Gärtner, Heinz-Wilhelm Brockmann und René Kollai darüber, ob in Deutschland ähnlich rasante Entwicklungen zu erwarten seien wie in unserem Nachbarland. „Deutschland hat ein sehr zukunftsfähiges Verhältnis von Staat, Kirche und Gesellschaft. Wir sind staatlich abgesichert“, behauptete Heinz-Wilhelm Brockmann. René Kollai gab zu bedenken, dass auch in Deutschland ein deutlicher Prozess der Entkirchlichung zu spüren sei, die Kirchengemeinden seien in ihrer institutionellen Verfasstheit dennoch stabil.  

Auch die LWH-Gäste waren in das Gespräch mit eingebunden, sodass spannende Diskussionen zu Stande kamen. Ein zentrales Thema war die Entkirchlichung der politischen Träger. „Die Entkirchlichung der CDU ist bedenkenswert“, merkte ein LWH-Gast an, „während die Linke den Katholikentag in Leipzig gepusht hat!“
Katharina Schulte (Text+Bild)

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