„Und führe uns in der Versuchung“?

Umstrittene Vater-Unser-Bitte wurde im LWH thematisiert

Zeichnete die Kontroverse um die Vater-Unser-bitte nach: Ester Brünenberg-Bußwolder. Foto: René KollaiÜber 100 Interessierte unterschiedlicher Altersgruppen haben am 29. Oktober am Akademieabend  „Und führe uns nicht in Versuchung“ im Ludwig-Windthorst-Haus (LWH) Lingen teilgenommen. Der stellvertretende Akademiedirektor René Kollai führte in die Veranstaltung ein. Er verwies darauf, dass religiös-theologische Fragen nur noch äußerst selten öffentlich debattiert werden. Umso erstaunlicher sei es, wenn es das Vater Unser binnen einer Woche auf die Titelseite von „BILD“ und „ZEIT“ geschafft habe.

Dr. Ester Brünenberg-Bußwolder, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der theologischen Fakultät der Uni Bochum führte die LWH-Gäste in ihrem einstündigen Vortrag versiert durch die verschiedenen Aspekte des Themas. Der Theologin zufolge habe Jesus von Nazareth in den Bitten des Vater Unser  teils auf jüdische Traditionen zurückgegriffen. Gerade in der Bitte „führe uns nicht in Versuchung“ habe er aber etwas Neues geschaffen, das nur aus seiner engen Gottesbeziehung erklärbar sei.

Die Debatte um die Übersetzung dieses Verses sei keineswegs neu, erklärte Brünenberg-Bußwolder. Durch die Kritik des Papstes an der deutschen Übersetzung sei sie aber im vergangenen Dezember erneut aufgeflammt. Zuvor hatten sich katholische und evangelische Christen in Frankreich auf eine neue Übersetzung verständigt: „Und lass uns nicht in Versuchung geraten.“ 

Der kritischen Anfrage des Papstes seien Bischöfe, Theologen und vor allem viele Gläubige beider Konfessionen mit dem Hinweis begegnet, dass es sich zum einen um eine wortwörtliche Übersetzung des griechischen Urtext handle. Zum anderen sei die Formulierung seit langer Zeit in den Köpfen und Herzen der Christen beider Konfessionen in Deutschland verankert. Nur eine einzige Theologin hätte dafür geworben, für heutige Menschen sperrige Gebetstexte neu zu übersetzen.

In der weiteren Darstellung der Referentin und anschließenden Diskussion ging es um sehr grundsätzliche Fragen. Ist es Gott, der uns in Versuchung führt? Was ist mit Versuchung gemeint? Erprobung oder das Abweichen in den Bereich des Bösen? Wer ist für das Böse in der Welt verantwortlich? Was macht zentrale Gebetstexte zu „heiligen  Texten“?  Und schließlich die verunsicherte Frage aus dem Publikum: “Muss ich all das bedenken, wenn ich das Vater Unser einfach nur beten will?“

All diese Fragen konnten natürlich nicht abschließend beantwortet werden, aber zwei Überzeugungen bildeten den Konsens am Ende eines spannenden, nachdenklich machenden Abends: Gegenwärtig gibt es in Deutschland keinen erklärten Willen, diese Bitte anders als bisher zu übersetzen. Und:  wenn wir diese Bitte ernst nehmen, dann beten wir nicht zu einem „Weichspüler-Gott“, der uns und unser Leben nur streichelt:  stattdessen belegen das Alte und Neue Testament, dass Befreiung und Erlösung nicht ohne Erleiden von Widerständen möglich ist. Dann  wäre diese Bitte des Vater Unser folgendermaßen zu umschreiben:  Hilf uns Gott, dass wir uns in der Zumutung von Leid und Tod in der Welt, nicht von dir und deiner Reich-Gottes-Botschaft trennen, sondern lass dich finden, zeige uns deine Nähe und lass dich immer wieder anklagen, wenn wir das Leid der Schuldlosen nicht erklären können! René Kollai (Text + Bild)

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