Brücken bauen gegen die Angst

Ehemaliger EKD-Ratsvorsitzender referierte im LWH

Ängste hindern uns Menschen an Beziehungen und begünstigen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus – das war das zentrale Thema des Akademieabends „Angst überwinden – Brücken bauen“ am 12. September 2018 im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus. Als Referent war der evangelische Theologe Nikolaus Schneider aus Berlin nach Lingen gekommen. Der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende vermittelte den rund 50 Gästen Lebenshaltungen, die helfen, diese Ängste zu überwinden und Brücken zu Mitmenschen mit anderen Haltungen und Prägungen zu bauen. Der Akademieabend fand in Kooperation mit dem Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen e. V. statt.

Auf Einladung des LWH und des Forum Juden-Christen war Nikolaus Schneider nach Lingen gekommen. Foto: LWHSchneider thematisierte eingangs den Film „Angst essen Seele auf“ von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1974. "Die Botschaft des Films, verweist auf eine Angst, die uns beziehungsunfähig macht und die wir bekämpfen und überwinden müssen, wenn wir Brücken zum Anderen und zum Fremden bauen wollen.“

Im Hauptteil des Akademieabends stellte Schneider drei Thesen vor, die er jeweils mit aktuellen Beispielen veranschaulichte. „Die Angst vor Ambiguität, also die Angst vor Mehrdeutigkeit, Vagheit und Unentscheidbarkeit, hindert uns Menschen Brücken zum Anderen und Fremden zu bauen“, behauptete der Referent. Dem Islamwissenschaftler Thomas Bauer zufolge würden Menschen von Natur aus mehrdeutige, unklare, vage und widersprüchliche Situationen meiden.
Auch die in der Bibel vermittelten Gottesbilder seien nicht immer eindeutig, so Schneiders zweite These. „Unser menschliches Reden von Gott kann als Grund oder als Gegenkraft für beziehungsfeindliche Ängste wirken.“ Diese These untermauerte Schneider mit Bibelstellen und Zitaten aus einem Essay von Thomas Bauer.
In seiner dritten These betonte der Theologe die Bedeutung von Vertrauen. Es würde die Menschen ermutigen, Brücken zum Anderen und auch zum Fremden zu bauen. „Vertrauen isst Ängste auf“, wandelte der Referent die Botschaft von Fassbinders Film ab.

„Vermehrt die Angst nicht“, zitierte Nikolaus Schneider abschließend Hilde Domin. Diesen Ratschlag hätte die Schriftstellerin gegeben, bevor rechtspopulistische Parteien und demagogische Regierungschefs im Dritten Reich Ängste für ihre politischen Ziele verzweckt hätten – „bevor sie Brücken einrissen und Mauern bauten“, erinnerte Schneider.
Im anschließenden Gespräch mit den LWH-Gästen wurde die Verantwortlichkeit vor allem junger Menschen für den „Brückenbau“ betont. Katharina Schulte (Text+Fotos)

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